Klavierduo Kalabova-Gugg Sonderpreis

KLAVIERDUO KALABOVA-GUGG SONDERPREIS 'PODIUM FüR JUNGE SOLISTEN' ARD-WETTBEWERB 2021

Barocksaal Tegernsee

10.04.2023, 19.00 Uhr

Vorbericht

Klavierduo Kalabova & Gugg
Tereza Kalabova und Johannes Gugg wurden 1998 in Tschechien bzw. Österreich geboren und bilden seit Herbst 2012 ein Klavierduo. Dank des frühen Zusammenspiels erlebten sie einen großen Teil ihrer musikalischen Entwicklung gemeinsam, was sich in außergewöhnlichem gegenseitigem Verständnis und bemerkenswerter musikalischer Synchronisation zeigt. Durch ihr gleichzeitig ausgesprochen hohes künstlerisches Niveau gehören sie international zu den herausragendsten Klavierduos ihrer Generation. Das aufstrebende Duo wurde vielfach mit dem 1. Preis ausgezeichnet, unter anderem beim österreichischen Musikwettbewerb Prima la musica (2013, 2015), Franz Schubert Wettbewerb in Jesenik (Tschechien, 2013), Music and Earth Wettbewerb in Sofia (Bulgarien, 2014), Vlastimil Lejsek Klavierduo-Wettbewerb in Brno (Tschechien, 2015), Suzana Szörenyi DuoWettbewerb in Bukarest (Rumänien, 2019) und bei der Internationalen Sommerakademie der mdw (2021, 2022). Dazu kommen 2. Preise beim 14. internationalen Klavierwettbewerb in Rom (Italien, 2014), Martha Debelli Stipendienwettbewerb der KUG (Österreich 2018, 2019), Duettissimo Klavierduo-Wettbewerb in Krakow (Polen, 2022) und ein 3. Preis beim Franz Schubert Wettbewerb in Jesenik (2. Alterskategorie, 2019). Beim ARD-Musikwettbewerb 2021 in München wurde ihnen nach dem Erreichen des Semifinales vom Freundeskreis für die Förderung junger Musiker in Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk der Sonderpreis "Podium für junge Solisten" verliehen. Darüber hinaus spielten die jungen Musiker bereits mehrmals mit verschiedenen Orchestern wie dem Münchener Kammerorchester, der Philharmonie Krakow, der Webern Kammerphilharmonie sowie dem Orchester des Konservatoriums Brno. Beide schlossen im Juni 2022 ihr Bachelorstudium an der Kunstuniversität Graz (Konzertfach Klavier bei Ayami Ikeba) mit Auszeichnung ab und werden ihre Ausbildung in der Klasse des weltweit angesehenen Klavierduos Silver-Garburg fortsetzen.

Nachbericht

Ein Klavierduo von Weltklasse verzauberte mit seinem Können das Publikum des“Podium für junge Solisten“. Im Barocksaal des ehemaligen Tegernseer Schlosses präsentierten Tereza Kalabova und Johannes Gugg ein Kaleidoskop der vierhändigen Klavierliteratur hohen Niveaus. Die beiden seit 2012 gemeinsam spielenden und auftretenden PianistInnen haben ihre musikalische Entwicklung großteils zusammen beschritten und erfolgreich aufgebaut, an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen, unter vielen anderen schon 2014 den 2. Preis beim 14. internationalen Klavierwettbewerb in Rom errungen und einen 3. Preis beim Franz Schubert Wettbewerb in Jesenik (2. Alterskategorie, 2019). Beim ARD-Musikwettbewerb 2021 in München wurde ihnen nach Erreichen des Semifinales vom „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e.V. in Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk der Sonderpreis "Podium für junge Solisten" verliehen.
Vierhändiges Klavierspiel wurde im 19.Jahrhundert ungemein beliebt, eine Entwicklung die Ende des 18. noch nicht abzusehen war, und dem sich Beethoven nur in seiner Jugend widmete. Die „Acht Variationen über ein Thema des Grafen von Waldstein“ WoO 67 schrieb Beethoven 1792, und zwar er selbst. Das Thema stammt aus einem seinem großen Mäzen und Förderer auch fälschlicherweise zugeschriebenen Werk, eine öffentliche Richtigstellung unterließ der wahre Komponist aus Höflichkeit und Freundschaft. Kalabova und Gugg holten aus diesem frühen Werk die frohe Verspieltheit und die positive, offene Ausstrahlung des jungen Beethoven mit runder Tongebung und klarer Diktion, dem Ausdruck stilgerecht folgend, sowohl der verzierten 1. wie der temperamentvolleren Variationen 2,4,und 6., sowie der sachten 3,5,und 7. In der letzten ausgedehnte Variation 8 gaben sie sich der Fantasie und dem Einfallsreichtum des Komponisten einfühlsam und brillant hin.
Als Schubert sich ab ca. 1820 im Kreis kulturell interessierter Bürger Wiens etabliert hatte, bezeichnete man allmählich die Hauskonzerte und literarisch-musikalischen Salons mit Lesungen, Gesellschaftsspielen unter einem Motto, Musik in vielen Facetten als „Schubertiaden“. Dabei fehlte nie das Klavierspiel “à quatre mains“. Diese Gattung bereicherte Schubert sowohl quantitativ, mit über 30 Opuszahlen, als auch qualitativ mehr als jeder andere Komponist. Kalabova und Gugg widmeten sich dem monumentalen Sonatensatz Allegro A-moll „Lebensstürme“ in perfektem Zusammenspiel, in musikalisch-seelischer Übereinstimmung mit dem anfänglich erforderlichem Grimm und der folgenden Glückseligkeit, in die Nuancen und Kontraste Schuberts ergreifender Musik eintauchend.
1898 widmete Max Reger u.a. die „Cinq piéces pittoresques“op.34 seinem Wiesbadener Freund Caesar Hochstetter, Organist , Komponist und Musikkritiker, als Dank für dessen Artikel „Noch einmal Reger“ .
Das Pianistenpaar Kalabova und Gugg meisterte die hohen spieltechnischen Anforderungen - die vor allem dem Promo Part abverlangt werden - mit Bravour, und spielte diese eigenwillige spätromantische Musik mit Frische und Vitalität.
Smetana beendete sein weltberühmtes Werk„Die Moldau“in nur 19 Tagen am 8.Dezember 1874 nach einem inspirierenden Naturerlebnis in den Wäldern von Hirschenstein. Doch erst 6 Jahre später, nach Abschluss des gesamten Orchester-Zyklus „Mein Vaterland“ , erschienen sowohl die Partitur wie auch die vierhändige Klavierfassung in Druck. Kalabova und Gugg transportierten Smetanas Begeisterung und Ergriffenheit, die Harmonie des von den Quellen zu einem ganzen Lebensraum sich ausweitenden Wassers. Ihr geschmeidiges Spiel aus einem Guss lies die Bilder der böhmischen Landschaft, die tosende Moldau bei Stromschnellen, die Breite der Unteren Moldau, ihren Lauf durch die Stadt an der Prager Hochburg vorbei und ihre Mündung in die Elbe erklingen.
Stravinskys Ballett „Petruschka“ war 1911 ursprünglich als Konzert für Orchester und Klavier entworfen, dann aber zu Ballettmusik umgeschrieben worden, und schließlich entstand auch eine Fassung für vierhändiges Klavierspiel. Der Komponist erzählt die Dreiecks-Geschichte der von magischer Flötenmelodie beim Frühlingsfest ( Butterwoche in St. Petersburg) zum Leben erweckten Spielpuppen, der Mitleidsheld-Petruschka, die reizend-dumme Ballerina und der gewalttätige Dandy-Mohr. Mit überwältigendem Elan und Witz erfassten Kalabova und Gugg das instrumentelle und auch das strukturelle Wesen des Werkes. Grandioser, langer Applaus und Bravorufe forderten den beiden glücklichen Künstlern noch Zugaben ab. Sie stellten dem Publikum Mazurka und Kolomika des polnischen Komponisten und Pianisten Juliusz Zarebski (1854-1885) aus dessen op.23 „Voyage a travers la Pologne“ vor, zwei traumhafte Stücke, vollendet gespielt.
Marcus Vitolo

Ulli und Uwe Kai Stiftung