Leonkoro Quartett, Sieger der Wettbewerbe in Bordeaux und London 2022

LEONKORO QUARTETT, SIEGER DER WETTBEWERBE IN BORDEAUX UND LONDON 2022 ( IM RAHMEN DER TEGERNSEER WOCHE)

Webern, Shostakowitsch, Beethoven

Barocksaal Tegernsee

25.09.2023, 19.00 Uhr

Vorbericht

Leonkoro Quartett

Jonathan Schwarz – Violine
Amelie Wallner – Violine
Mayu Konoe – Viola
Lukas Schwarz – Cello


Das Leonkoro Quartett [...] hat eine enorme Bühnenpräsenz, glüht für die Musik, fährt volles Risiko und verblüfft durch das Einfühlungsvermögen in die jeweilige Klanglichkeit der Stücke.
Treffender als in der im Januar 2022 veröffentlichten Kritik in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, könnte das 2019 in Berlin gegründete Streichquartett kaum beschrieben werden.
Das Ensemble wird gerahmt von den Brüdern Jonathan und Lukas Schwarz an 1. Geige und am Cello, die Mittelstimmen bilden Amelie Wallner an der 2. Geige und Mayu Konoe an der Bratsche. Leonkoro, auf Esperanto: Löwenherz, spielt nicht zufällig auf Astrid Lindgrens Kinderbuch über zwei Brüder an, einem Buch das der schwerwiegenden Tatsache des Sterbens eine große und herzliche Portion Trost gegenüberstellt – einem Sinn, dem sich nicht an wenigen Stellen auch die Quartett-Musik widmet.
Das Jahr 2022 ist für das Leonkoro Quartett ein Jahr der Auszeichnungen:
Im März 2022 wurde das Ensemble mit dem begehrten und hoch-dotierten Musikpreis der Jürgen Ponto-Stiftung geehrt, der alle zwei Jahre an ein herausragendes Streichquartett verliehen wird.
Im April 2022 erspielten sich die vier Musiker:innen den 1. Preis beim Internationalen Streichquartett Wettbewerb der Wigmore Hall London und wurden zudem mit gleich 9 von 12 Sonderpreisen ausgezeichnet. Darunter der Preis für die beste Aufführung eines Werkes aus dem 19. Jahrhundert, den Britten Pears Young Artists Programme Prize, den Leeds International Concert Series Prize sowie den Preis der Esterházy Stiftung.
Im Mai 2022 erhielt das Ensemble den 1. Preis beim Quatuor à Bordeaux Wettbewerb. Sie haben nicht nur die hochkarätig besetzte Jury von sich überzeugen können, sondern auch das Publikum, das ihnen den Publikumspreis sowie den Preis des jungen Publikums verliehen hat.
Ende des Monats erfolgte die Ernennung in das prestigeträchtige BBC Radio 3 New Generation Artists Programm, dessen Teil das Quartett von 2022 – 2024 sein wird.
Im November 2022 folgte dann die Auszeichnung mit dem MERITO String Quartet Award. Anders als bei einem klassischen Wettbewerb wissen die fünf ausgewählten Ensembles nicht, dass sie über ein Jahr von einer Jury aus namhaften Streichquartett- Musiker:innen bewertet werden und ihr künstlerisches Niveau in Konzerten unter Beweis stellen. Der MERITO String Instrument Trust wird das Ensemble für vier Jahre unterstützen, u.a. mit einem Kompositionsauftrag.
Einen fulminanten Start legte das Leonkoro Quartett schon im Sommer 2021 auf der internationalen Bühne hin, als es als jüngste Formation beim renommierten internationalen Streichquartettwettbewerb Premio Paolo Borciani mit dem 2. Preis (bei Nichtvergabe des 1. Preises) und dem begehrten Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr erspielte sich das Ensemble den 1. Preis beim Kammermusikwettbewerb der Alice-Samter-Stiftung und wurde mit dem 2. Preis beim Wettbewerb Ton und Erklärung des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.
Neben einem Kammermusikstudium bei Heime Müller an der Musikhochschule Lübeck studiert das Quartett seit 2020 mit großzügiger Unterstützung der Santander Consumer Bank AG bei Günter Pichler (Primarius Alban Berg Quartett) am Kammermusikinstitut der Escuela Superior de Música Reina Sofía Madrid. Außerdem wird das Leonkoro Quartett intensiv von Mitgliedern des Artemis Quartett an der Universität der Künste Berlin gefördert. Weitere künstlerische Impulse erhielten die vier Musiker:innen von Alfred Brendel, Reinhard Göbel, Rainer Schmidt (Hagen Quartett), Oliver Wille (Kuss Quartett) und Luc-Marie Aguera (Quatuor Ysaÿe).
In der Saison 2022/2023 gastiert das Leonkoro Quartett unter anderem im Konzerthaus Berlin, im CAPE Ettelbruck, in der Alten Oper Frankfurt, beim VIBRE Festival in Bordeaux, dem Streichquartettfest in Heidelberg und den Dresden Musikfestspielen. Zudem startet das Ensemble seine drei-jährige Residenz in Leeds und ist mit zwei Konzerten im Schloss Esterházy zu Gast.
Das Leonkoro Quartett ist Pirastro-Artist. OFFICIAL PIRASTRO ARTIST

Nachbericht

Vier junge Streichvirtuosen präsentierten sich dem Publikum des „Podium für junge Solisten“mit einem denkwürdigem Auftritt im Rahmen der „Tegernseer Woche“. Das vom „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“e.V. eingeladene Leonkoro Quartett entpuppte sich als Sensation. Jonathan Schwarz, Violine, Amelie Wallner, Violine, Mayu Konoe, Viola, und Jonathan Schwarz, Violoncello, erreichen mit ihrer klanglichen Perfektion und Spielart eine der intensivsten, berührendsten und bewegendsten emotionalen Übertragungen. Erst 2019 gegründet, erspielten sich die Brüder Schwarz aus Lübeck, die Münchnerin Amelie Wallner und die in Amsterdam geborenen Mayu Konoe, einige der namhaftesten Wettbewerbe, wie u.a. 2021 bei nicht Vergabe des 1. den 2.Preis des Borciani Wettbewerbs, den Musikpreis der Ponto-Stiftung, den 1. Preis und Sonderpreise der Londoner Wigmore Hall Competition. Darauf folgten Einladungen u.a. zur BBC, und bald Auftritte in der Berliner wie der Kölner Philharmonie, beim Konzerthaus Wien und dem Concertgebouw Amsterdam.
Im prächtigen Tegernseer Barocksaal eröffneten sie ihr Konzert mit Anton Weberns (1883-1945) „Langsamer Satz für Streichquartett“, ein 1905, man sagt von einer Wanderung außerhalb Wiens inspiriert entstandenes Stück, an der Schwelle zur Moderne und am Ende der klassischen Romantik. Das Leonkoro Quartett entschlüsselte alle Feinheit und die Fülle der Emotionen dieses kleinen Meisterwerks, von der zerreißenden Sehnsucht über aufwühlenden Tumult bis hin zur friedlichen Auflösung.
Es folgte das 3. Streichquartett von Dimitri Schostakowitsch, (1906-1975), entstanden 1946 nach seiner 9. Sinfonie, mit der er die Erwartungen Stalins auf ein triumphales Werk ad absurdum führte.
Lustige Heiterkeit kennzeichnete den 1.Satz Allegretto, faszinierend intensiv wechselnde Klangfarben dass von der Viola angeführte Moderato con moto, dessen Spiccato-Teil, - man lässt den Bogen springen -, in nervöser Erregung trefflich gelang. Im Allegro non troppo zeichnete das Leonkoro Quartett Schostakowitschs Ironie auf den Stechschritt mit energischem Trotz und parodistischem Augenzwinkern wuchtig nach. Der Klagegesang des aufwühlend berührenden Adagio führte durch unheimliche Landschaften, wurde ein verzweifelter Gang durch Zerstörung und Nebel, Dunkelheit und Leid, und ging zäsurlos in das abschließende, von Zartheit und Mitgefühl geprägte Moderato über.
Mit dem Streichquartett op.59 Nr.1 trat ein Wandel in Beethovens Schaffen auf, welcher anfangs nicht verstanden wurde. Die Dimensionen des Werkes wuchsen ins Sinfonische, die Themenentfaltung ging zu Gunsten kleiner Motive zurück, der Klangraum weitete sich bis hin in extreme Lagen und die Anforderungen an die Virtuosität der Ausführenden stieg. Das Leonkoro Quartett zeigte sich als Ensemble welches immer noch selbst staunen kann, sich der Musik mit Genuss und Freude hingeben und über ihr einstudiertes perfektes Spiel hinaus noch ad hoc Schönheit hervorbringen vermag. Es folgte sofort dem hohen Puls des Allegro durch die melodiösen Motiv-Folgen bis zur Verdichtung ins Fugato und der emphatischen Coda. Beethovens Anweisung“Allegretto vivace e sempre scherzando“ folgte das Leonkoro Quartett mit unbändigen Elan im Verwirrungs-Spiel der Motive des 2.Satzes. Ausdruckskraft und Tiefe, Intensität und Gefühl holte das Ensemble aus dem Adagio berührend hervor, und ein ins heiter gewendete vormals tragische russische Thema im Moderato, ließen die vier jungen Musiker ausgelassen aufleuchten. Dem triumphalen Applaus des begeisterten Publikums antwortete das begnadete Ensemble mit einer traumhaft gespielten Fantasia F-Dur von Purcell. Marcus Vitolo

Ulli und Uwe Kai Stiftung